Wie relevant ist der Kindeswille

Wie relevant ist der Kindeswille im familiengerichtlichen Verfahren?

Der Kindeswille ist sehr wichtig und sehr relevant in familiengerichtlichen Verfahren. Allerdings ist er auch nicht das alleinige Entscheidungskriterium.

Der Kindeswille ist solange beachtlich, solange der Kindeswille dem Kindeswohl nicht widerspricht.
Das klingt ja alles erstmal ganz nett, aber es wird nicht so richtig deutlich, was das im Einzelnen bedeutet.

Es gibt ein paar Grundsätze, an denen man sich orientieren kann.

💡Je älter das Kind, desto relevanter wird der Kindeswille. Es gibt aber kein fixes Mindestalter. Ein Kind, das sich mit fünf schon laut schreiend und strampelnd gegen einen Elternteil wehrt, zeigt seinen Willen sehr deutlich und es wird zumindest näher untersucht werden müssen, was die Ursache für den Widerstand des Kindes ist.

💡Beispiel Umgang: Auf der einen Seite ist der Wille des Kindes wichtig und relevant. Auf der anderen Seite wird davon ausgegangen, dass der Umgang mit beiden Eltern grundsätzlich dem Kindeswohl dient, solange nichts anderes bekannt ist.

💡Dass Kinder in einer Trennungssituation ein Stück weit die Übergabe zum jeweils anderen Elternteil verweigern gilt als normal. Deshalb sind die Eltern verpflichtet, jeweils im gleichen Umfang auf den Umgang, bzw. die Rückgabe zum betreuenden Elternteil hinzuwirken, wie sie auch die Schulpflicht durchsetzen müssen. So sieht es jedenfalls das OLG Saarbrücken.

💡Der Kindeswille findet solange Beachtung, solange nicht davon ausgegangen wird, dass der Kindeswille dem Wohl des Kindes widerspricht.

💡Entspricht der Wille des Kindes dem eigenen Willen, bzw. kann man mit der Willensäußerung des Kindes gut leben, ist man grundsätzlich erstmal in der besseren Verhandlungsposition. Hier wird aber ggf. geprüft werden, ob der Wille des Kindes frei gebildet ist. Sollte das Ergebnis der Prüfung sein, dass es sich um einen beeinflussten Willen handelt, wird dann noch geprüft, ob der beeinflusste Wille dem Kindeswohl so massiv schadet, dass Maßnahmen gegen den Willen des Kindes angeordnet werden müssen.
Dann stellt sich die Frage: Was hat die schlimmeren Folgen? Ist beides Zwang?