Verdacht: Misshandlung!

Was soll ich tun, wenn ich das Gefühl habe, dass mein Kind misshandelt wird?

Wenn der Eindruck entsteht, dass ein Kind misshandelt wird, löst das Gefühle aus: Verzweiflung, Entsetzen, Ohnmacht, Wut, Hass, Hilflosigkeit, um nur einige zu nennen.

1. Sachebene vs. Emotionsebene.
So hart es ist – um einem Kind in dieser Situation zu helfen, ist der erste und wichtigste Schritt, die Emotionen in Schach zu halten und die Situation so ruhig und sachlich zu betrachten, wie es nur möglich ist. Die wichtigste Frage ist: Wer kann helfen, den Verdacht entweder zu bestätigen oder zu entkräften?

2. Dokumentieren vs. Nur beobachten
Wodurch ist der Verdacht entstanden? Ist es nur ein Gefühl? Schreibt es auf! WANN ist euch WAS, WIE aufgefallen in WELCHEM Zusammenhang und WER war dabei?
Schreibt! Bei Lärmbelästigungen fertigt man ein Lärmprotokoll. Fertigt ein „Tagebuch“. Wenn der Verdacht eher eine Vermutung ist, braucht das ja niemand zu wissen. Wenn sich die Vermutung erhärtet, ist ein Protokoll/Tagebuch oft Gold wert.

3. Kommunizieren vs. Schweigen
Sprecht über eure Vermutung, im Zweifel ohne sie auszusprechen. Wer könnte was beobachtet haben? Kindergarten, Schule, Großeltern, Kinderärzt:In. Dabei ist das Stellen von Fragen gut und das Anschuldigen kritisch. Wie wird die Entwicklung des Kindes von anderen wahrgenommen? Sind bestimmte Verletzungen typisch für das Alter? Was ist die Ursache für bestimmte Verhaltensauffälligkeiten? Wer kann weiterhelfen? Lasst euch beraten!

4. Diagnostizieren vs. Behaupten
Ihr braucht eine gute Diagnostik. Und die im Zweifelsfall schnell. Gerade Verletzungen der Schleimhäute verheilen schnell und spurlos. Bestimmte Verletzungsmuster lassen den Schluss auf Geschehensabläufe schließen. Wiederkehrende „Unfälle“ sollten in der Krankenakte dokumentiert sein. Gerade die Befragung von Kindern sollte von geschulten Fachleuten durchgeführt werden, die Suggestivbefragungen vermeiden und eine mögliche Retraumatisierung verhindern.

Urheber: Karola Rosenberg, Foto: AdobeStock