Trennung mit Kind – Wie regelt man den Umgang?

Zur Regelung der Umgangs- und Besuchszeiten braucht man nicht zwingend einen Gerichtsbeschluss. Es gibt auch die Möglichkeit sich außergerichtlich zu einigen. In einigen Fällen macht es aber Sinn, zeitnah eine Gerichtsentscheidung zum Umgang einzuholen. So unterschiedlich wie Beziehungen und Trennungen sind, so unterschiedlich können und müssen Umgangsregelungen aussehen.
Überblick über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten den Umgang mit dem Kind nach der Trennung zu regeln.

1. Umgang auf Zuruf

Wenn die Trennung recht friedlich und einvernehmlich verläuft, kann der Umgang einfach auf Zuruf geregelt werden. Das Kind und die Kinder werden von dem betreut, der gerade mehr Zeit hat oder das Bedürfnis hat oder mit der oder demjenigen, mit die Kinder gerade Zeit verbringen möchten.

Vorteil:

Die Regelung ist absolut flexibel und lässt Raum für die Bedürfnisse aller Familienmitglieder. Auf plötzliche Schichtwechsel, Erkrankungen oder wenn mal wieder das Leben passiert kann schnell reagiert und eingegangen werden.

Nachteil:

Die „Nicht“-Regelung des Umgangs funktioniert nur, wenn entweder die Eltern eine sehr gute Kommunikationsebene haben, oder ein Elternteil sehr flexibel ist und bereit ist die eigenen Bedürfnisse hinten an zu stellen. Wenn aber nur eine Seite immer sehr flexibel sein muss, kommt es schnell zu einem unfairen Ungleichgewicht zwischen den Eltern.

2. Schriftliche Absprache der Eltern

Die zweite Möglichkeit ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen den Eltern. Hierbei setzen sich die Eltern an einen Tisch und besprechen den Umgangsrhytmus und die Umgangszeiten, schreiben die Vereinbarung auf und unterschreiben sie. Häufig wird die Planung mit Hilfe eines Jahreskalenders gestaltet, oder auch durch einen digitalen Familien- bzw. Umgangskalender (z.B. Google Kalender).

Vorteil:

Die schriftliche Vereinbarung ist auf der einen Seite flexibel genug, um auf unregelmäßige Arbeits- und Schichtzeiten einzugehen, bietet aber auf der anderen Seite einen gewissen Grad an Verbindlichkeit und Planbarkeit. Sollte es zu einem späteren Zeitpunkt doch noch zum Gerichtsverfahren kommen, hat man eine schriftliche Grundlage und einen Nachweis, dass es bereits eine gelebte Einigung zwischen den Eltern gab. Die beste Umgangsregelung ist immer die, die von beiden Eltern mitgetragen wird.

Nachteil:

Die Vereinbarung hält nur solange es keinen Streit gibt. Es gibt wenig Druck oder Verpflichtung sich an die Umgangsvereinbarung zu halten. Wenn ein Elternteil durchsetzungsstärker ist als der andere und der Umgangsvereinbarung gar keine echte Einigung zu Grunde liegt, wird eine Umgangsgrundlage geschaffen, die gerade nicht auf einer echten Einigung beruht. In einem möglichen späteren Gerichtsverfahren kann das von Nachteil sein.

3. Vereinbarung über das Jugendamt

Wenn das friedliche Zusammensitzen zu Zweit keine Option ist, gibt es die Möglichkeit sich an das Jugendamt zu wenden. Dort kann unter Zuhilfenahme des neutralen Dritten, dem/der MitarbeiterIn des Jugendamtes, eine schriftliche Umgangsvereinbarung getroffen werden. Zuständig ist das Jugendamt des Ortes, in dem das Kind seinen Lebensmittelpunkt hat.

Vorteil:

Die Hilfe eines neutralen Dritten kann zu einer echten Einigung zwischen den Eltern führen. Mögliche Ungleichgewichte bei der Durchsetzungsstärke werden ausgeglichen und die individuellen Bedürfnisse können recht flexibel berücksichtigt werden. In einer Elternvereinbarung können außerdem weitere umgangs- und sorgerechtlichen Themen besprochen und mit aufgenommen werden. Durch die Einschaltung des Jugendamtes bekommt die Vereinbarung einen offiziellen Charakter. Wird die Vereinbarung gelebt, kann sie in einem möglichen späteren Gerichtsverfahren wegweisend wirken.
Das Verfahren ist kostenlos und bietet die Beratung durch (idR) eine sozialpädagogische Fachkraft.

Nachteil:

Auch eine Elternvereinbarung, die mit Hilfe des Jugendamtes zustande gekommen ist, ist nicht vollstreckbar und nicht rechtsverbindlich. Hält sich einer der beiden Eltern nicht an die Vereinbarung, hat das keine unmittelbare Konsequenz. Kommt es zu Umgangsausfällen vergeht weiter Zeit, in der der Verstoß gegen eine Umgangsvereinbarung ohne Konsequenzen bleibt. Zeit ist in Umgangsverfahren aber häufig ein ganz entscheidender Faktor.

4. Gerichtliche Umgangsregelung oder der gerichtlich gebilligte Umgangsvergleich

Wenn außergerichtliche Einigungen entweder schon gescheitert sind, oder es klar ist, dass es nicht zu einer Einigung kommen wird, kann man sich auch direkt an das Gericht wenden und die Regelung des Umgangs gem.§ 1684 BGB beantragen. Der Antrag kann sowohl von dem umgangsbegehrenden Elternteil gestellt werden, als auch von dem betreuenden Elternteil. Das Umgangsrecht ist Recht und Pflicht zugleich. Auch der betreuende Elternteil hat ein Recht auf eine zuverlässige Regelung des Umgangs und muss nicht stehts „Umgangs-parat“ stehen.
Es gibt auch die Möglichkeit, eine einvernehmliche Umgangsvereinbarung zu treffen und diese gerichtlich billigen zu lassen. Dadurch wird auch die Umgangsvereinbarung verbindlich und durchsetzbar.

Vorteil:

Eine gerichtliche Regelung ist eine grundlegende Regelung, die gem. §89 FamFG mit Ordnungsmitteln durchsetzbar ist. Sie bringt Verbindlichkeit und Planbarkeit. Kinder, die unter der Trennungssituation leiden, bringt eine gerichtliche Regelung häufig eine Erleichterung. Nicht sie müssen entscheiden, zu wem sie gehen und wen sie enttäuschen. Der „schwarze Peter“ liegt beim Gericht und bei den Erwachsenen. In Zeiten des Umbruchs gibt die Regelmäßigkeit und Planbarkeit Kindern und Erwachsenen Sicherheit. Die grundlegende Regelung bringt Stabilität, abweichende Absprachen über die die Eltern sich einig sind, können trotzdem getroffen werden. Wenn es durch den Versuch einer abweichenden Absprache zum Streit kommt, wird der Umgang eben so umgesetzt, wie er gerichtlich geregelt ist.

Nachteil:

Eine gerichtliche Umgangsregelung, die im Zweifel auch verbindlich und durchsetzbar sein soll, muss bestimmt, also festgelegt sein. Ein flexibles Eingehen auf Arbeitszeiten und andere Variablen ist nur sehr bedingt möglich.

Die Durchsetzung des Umgangs durch Ordnungsgeldverfahren kostet Zeit, Geld und Energie.

Empfehlung:

Solange sich die Eltern darüber einig sind, dass die Kinder mit beiden Eltern in ihrem Leben aufwachsen sollen, reicht in der Regelung eine (schriftliche) Vereinbarung. So werden Missverständnisse vermieden und trotzdem besteht die Möglichkeit flexibel auf die Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder einzugehen. Sobald die Kinder in einer Trennung zwischen die Fronten geraten, macht eine gerichtliche Umgangsregelung Sinn. Eine sorgfältig formulierte und genaue grundlegende Regelung des Umgangs kann eskalierende Diskussionen im Keim ersticken und Ruhe in eine Trennungsphase bringen. Von Ruhe, Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit profitieren gerade die Kinder in Trennungssituationen und hilft ihnen, sich in einem neuen Alltag einzufinden und glücklich zu sein. Und das sollte schließlich in jeder Trennung mit Kind das wichtigste Ziel sein.